A- A A+

Ratgeber

DNA-Test für Privatpersonen

Lars Germann, 2025 · 15.09.2025

Grafik: olvius/stock.adobe.com

Grafik: olvius/stock.adobe.com

Mit einem einfachen und kostengünstigen Gentest kann man einiges über sich erfahren: von Herkunft der Vorfahren bis Erbkrankheiten und andere genetische Veranlagungen. Doch was ist mit dem Datenschutz?

Ihre Vorfahren kämen „zu 46 Prozent aus Nord- und Westeuropa, außerdem aus Osteuropa, vom Balkan und zu 8 Prozent aus Italien“, erzählt Rajka Schneider (41) und schmunzelt: „Aber für eine Kölnerin ist es ja nicht ungewöhnlich, ein bisschen Italien mit drin zu haben.“ Herausgefunden hat sie diese Herkunftsregionen mithilfe einer DNA-Analyse, die sie vor einem halben Jahr in Auftrag gegeben hatte. „Ich wusste nicht viel über meinen Vater und wollte einfach mehr über dessen Familie erfahren“, erklärt sie ihre Motivation.

So wie Rajka Schneider machen es immer mehr Menschen: Stäbchen in den Mund, dasselbe mit Zellen behaftet zu einem spezialisierten Labor im Ausland schicken und einige Wochen warten. Dann kommt das Ergebnis per E-Mail.

Anhaltspunkte über Erbkrankheiten

Tatsächlich verrät unsere DNA so einiges über uns: aus welchen Ländern oder Regionen die Vorfahren kommen, wo mögliche Verwandte leben könnten und ob man Veranlagungen für bestimmte Erkrankungen hat. Oder gar ein unentdecktes Fußballtalent ist. Und all das für meist weniger als 100 Euro.

Seinen Ursprung hat der Trend zu DNA-Analysen in den USA, wo Tests für Privatkunden seit einigen Jahren – anders als in Deutschland – legal sind. Dort haben schon viele Millionen Menschen ihr Erbgut untersuchen lassen. Wer hie zulande Anbieter für DNA-Analysen sucht, wird problemlos fündig: Im Internet bieten etwa die amerikanische Firma Ancestry oder MyHeritage aus Israel ihre Dienste an. Auch das spanische Unternehmen Tellmegen ist mittlerweile am Markt erfolgreich.

Was passiert mit den Daten?

Doch die Angebote haben Risiken und Nebenwirkungen – und die beginnen, wie so oft, beim Datenschutz. Der ist insbesondere bei amerikanischen Anbietern löchrig. So schreibt Ancestry in seinen Nutzungsbedingungen, dass die gewonnenen Daten „zu genealogischen und genomischen Forschungsprojekten (…) sowie zur wissenschaftlichen, statistischen und geschichtlichen Forschung“ benutzt würden. Die höchst privaten Informationen von Menschen werden also nicht diskret behandelt und zeitnah gelöscht – sondern auf unbestimmte Zeit gespeichert und ausgewertet.

Welche Risiken dies birgt, lässt sich leicht herleiten: Interesse an solchen Daten könnten Versicherungsunternehmen, Arbeitgeber oder sogar Staaten haben. Dazu steht in den Sternen, welche Anwendungen in Zukunft entwickelt werden könnten, um DNA-Daten auszuwerten und Individuen wieder zuzuordnen. Zudem sei die Auswertung von DNA-Analysen keinesfalls nur eine Privatsache. „Man sollte sich dessen bewusst sein, dass man eine Entscheidung für die gesamte Verwandtschaft trifft“, so Rainer Mühlhoff, Professor für Ethik der Künstlichen Intelligenz an der Universität Osnabrück. Denn Erbkrankheiten seien nun mal genetisch veranlagt und könnten auch Rückschlüsse auf Familienmitglieder zulassen.

Analysen oft wenig aussagekräftig

Wer das Risiko trotzdem eingehen will, um etwa Aufschlüsse über sein Herzinfarkt- oder Schlaganfall-Risiko zu erhalten und entsprechende Vorsorge zu treffen, darf hingegen keine allzu großen Erkenntnisse erwarten. So erläuterte Ortrud Steinlein, Leiterin des Instituts für Humangenetik der Ludwig-Maximilians-Universität in München, gegenüber der Süddeutschen Zeitung, dass die meisten „Alltagskrankheiten“, wie etwa ein Herzinfarkt, in der Regel „multifaktoriell“ seien, also viele Ursachen haben können: Viel entscheidender als die genetische Veranlagung seien demnach etwa der Lebensstil und die Ernährung. Und nicht zuletzt sollte sich jeder die Frage stellen, ob man wirklich wissen will, welche Lebensrisiken man in sich trägt. Ortrud Steinlein: „Das kann auch eine Anleitung zum Unglücklichsein sein.“

Rajka Schneider hat das Häkchen bei den Krankheitsrisiken wohl auch deswegen bewusst nicht gesetzt. „Sowas will ich gar nicht wissen“, sagt sie. Auch der Nutzung ihrer Daten hat sie bewusst widersprochen: „Man weiß ja nie, was die damit machen.“

GLOSSAR

DNA/DNS: Abkürzung für Desoxyribonukleinsäure (DNS) und auf Englisch „desoxyribonucleid acid“ (DNA). In dieser Säure befinden sich die Erbinformationen von Lebewesen. Sie kann mithilfe eines Abstriches aus der Nase oder aus dem Speichel untersucht werden. Grundsätzlich ist dies auch mit einer Haar- oder Gewebeprobe möglich.

Genealogie: Fachbegriff für Ahnenforschung beziehungsweise Familienforschung

Genom: Fachbegriff für die Gesamtheit der vererbbaren Informationen in den Körperzellen von Lebewesen. Hauptträger dieser Informationen ist die DNS.

Das könnte Sie auch interessieren:

Die elektronische Patientenakte (ePA) für alle kommt
Testament: Das sollten Sie über das Erbrecht wissen

Tags: Ahnenforschung , Erbkrankheiten , Familienforschung , Familienstammbaum , Genforschung

Kategorien: Ratgeber